Körperbau der Libellen


Weltweit gibt es etwa 5680 Libellenarten, davon kommen 85 in Mitteleuropa vor. Sie können mit ihren einzigartigen Flügelpaaren, die sich unabhängig von einander bewegen lassen, abrupte Richtungswechsel vollziehen, in der Luft stehen bleiben und einige können sogar rückwärts fliegen. Dabei schlagen sie etwa 30 mal in der Sekunde mit Flügeln und erreichen so Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Die Flügelspannweite der kleinsten Libelle (Agriocnemis pygmaea) beträgt gerade mal 0,18 cm, die der größten Libelle (Megaloprepus caerulatus) sogar 19 cm.

Die Lebensdauer der einzelnen Libellen beträgt im Durchschnitt etwa sechs bi acht Wochen. Es gibt aber auch Arten die nur zwei Wochen leben. Winterlibellen (Sympecma) haben mit vier bis sechs Monaten die längste Lebensdauer der Libellen in Mitteleuropa.

Libellen sind für den Menschen völlig harmos. Sie können nicht stechen und sind auch ungiftig. Es gibt jedoch einige neugierige Libellen um den "Revier-Eindringlin" Mensch zu beobachten. Dabei verharren sie im Rüttelflug in der Luft. Manche Menschen deuten das fälschlicherweise als Angriff.


Klein- und Großlibellen

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Kleinlibellen legen ihre Flügel in Ruhestellung typerweise an den Körper an während Großlibellen sie immer mehr oder weniger waagerecht zum Körper halten.
Bei den Kleinlibellen (Zygoptera) kommen etwa 2.700 Arten weltweit vor. Ihre Flügelpaare sind gleichgroß und die meisten legen sie in Ruhestellung nach hinten über den Körper. Die Augen stehen weit auseinander und die Larven haben drei Tracheenkiemen am Hinterleib.
Bei den Großlibellen ( Anisoptera) kommen weltweit ca. 2.900 Arten vor. Die Flügelpaare sind unterschiedlich groß und stehen in Ruhestellung seitlich vom Körper ab. Die Augen liegen direkt beieinander und sie haben kleine Antennen.
Von den Urlibellen (Anisozygoptera oder Epiophlebioptera) gibt es heute nur noch zwei Arten die im Himalaya und in Japan vorkommen.


Körperbau

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Libellen können nicht wie andere Insekten (Neuflügler) ihre Flügel über den Körper nach hinten legen, da ihnen das dafür notwendige Flügelgelenk fehlt. Bei Libellen sitzt der Flugmuskel direkt am Flügel. Die fast gleichgroßen Flügel werden durch eine Reihe von komplexen Längsadern stabilisiert. In der Mitte treffen diese Adern in einem Knotenpunkt (Nodus) aufeinander. In der Nähe der Flügelspitze befindet sich bei fast allen Arten ein Flügelmal (Pterostigma), das ganz unterschiedlich gefärbt sein kann und somit für die Bestimmung ein wichtiges Merkmal darstellt.

Besonders auffällig bei Libellen sind die Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen (Ommatidien) bestehen können. Dazwischen liegen auf der Kopfoberseite drei kleine Punktaugen (Stirnocellen), die vermutlich wichtig für das Gleichgewicht und die Kontrolle der Flugbewegungen sind.

Die Fühler sind kurz und bestehen aus acht Gliedern. Sie dienen hauptsächlich der Ermittlung der Fluggeschwindigkeit.

Die Brust (Thorax) ist in drei Segmente aufgeteilt wobei die beiden hinteren sehr kräftig sind. Hier sitzen die sehr kräftigen Beine, mit denen die Libellen ihre Beute fassen.

Der Hinterleib besteht aus zehn Segmenten und dient der Stabilisierung beim Flug. Er ist sehr Beweglich. Bei den Männchen befindet sich an dessen Ende eine Greifzange (Cerci) mit der sie die Weibchen zur Paarung greifen können. Kleinlibellen haben zusätzlich ein unteres Paar Zangen (Paraprocte), bei den Großlibellen gibt es stattdessen einen unbeweglichen Fortsatz (Epiproct). Bei den Weibchen befindet sich an dieser Stelle der Eiablageapparat (Ovipositor).


Lebensräume

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Da die Larven der Libellen sich im Wasser entwickeln, findet man Libellen vor allem in der Nähe von Gewässern. Viele fliegen aber zum Jagen auch weite Strecken und entfernen sich so weit vom Wasser. Die meisten Libellenarten bevorzugen stehende Gewässer, andere findet man auch an langsam fließenden Bächen oder Kanälen oder an Mooren. Dabei ist ein ausreichender Bewuchs mit Wasserpflanzen immer wichtig.


Ernährung

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Libellen ernähren sich von anderen Insekten, auch von anderen Libellen. Ihre Beute ergreifen sie mit ihren Beinen im Flug. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf die Gewässer, viele Libellenarten kann man auch während ihrer Jagd weit ab vom Wasser antreffen.


Fortpflanzung

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Typisch für Libellen ist das sogenannte Paarungsrad und der Tandemflug. Beim Paarungsrad greift das Männchen mit seinen Greifzangen am Hinterleib das Weibchen zwischen Kopf und Brust. Die Weibchen biegen ihren Hinterleib nach vorne und berühren mit ihrer Geschlechtsöffnung (am achten oder neunten Segment) den Samenbehälter des Männchens (am zweiten oder dritten Segment). Nach der Paarung biegt das Weibchen den Hinterleib wieder zurück während das Männchen weiterhin das Weibchen festhält. Das bezeichnet man dann als Tandemflug. Die Eiablage findet entweder im Tandemflug oder das Weibchen legt die Eier alleine ab. Einige Arten stechen die Eier in die Rinde von Bäumen, andere lassen sie im Flug in das Wasser oder in später einmal überfluteten Senken fallen. Auch bei Tauchgängen von bis zu 90 Minuten können einige Libellenarten die Eier unter Wasser ablegen. Viele Arten legen die Eier nur an ganz bestimmten Pflanzen ab.


Larven

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Aus den Eiern schlüpfen bei fast allen Arten sogenannte Prolaven, die meist länger sind und ihre Beine nicht nutzen können. Die erste Häutung erfolgt daraufhin entweder in den ersten Sekunden oder in den ersten Stunden nach dem Schlüpfen.

Die Larven leben ausschließlich im Wasser und ernähren sich räuberisch. Dazu haben sie eine sogenannte Fangmaske, die im Ruhezustand unter dem Kopf gefaltet ist. Befindet sich ein potentielles Opfer in Reichweite, schnellt diese hervor und packt die Beute. Kleinlibellen erbeuten meist Mückenlarven oder kleine Krebse, Großlibellen jagen auch Kaulquappen und andere Insekten.

Zur Atmung haben Kleinlibellen am Hinterende drei blattförmige Tracheenkiemen, bei Großlibellen erfolgt die Atmung über sogenannte Rektalkiemen. Da sie ihnen die Tracheenkiemen fehlen, können sie auf den ersten Bick von den Larven der Kleinlibellen unterschieden werden.

Die Entwicklung der Larve dauert zwischen drei Monaten und bis zu fünf Jahren, wobei eine ein- bis zweijährige Larvenentwicklung am häufigsten vorkommt. Während dieser Zeit häuten sie sich über zehnmal und werden nach jeder Häutung größer. Am Ende des letzten Stadiums verässt die Larve das Wasser um sich, meist an Pflanzen, zum Schlüpfen (Emergenz) zu verankern. Dabei können sie eine Strecke von mehreren Metern zurücklegen. Die nach dem Schlüpfen zurückbleibende Larvenhülle nennt man auch Exuvie.


Gefährdung

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In Deutschland sind alle vorkommenden Libellen besonders geschützt. Etwa 50 Arten gelten als gefährdet, knapp 20 Arten sind vom Aussterben bedroht. Gefahr geht vor allem von Gewässerverschmutzungen und Trockenlegen von Gewässern aus.




Textquelle(n):
www.de.wikipedia.org/wiki/Libellen (abgerufen am 10.11.2012).