Körperbau der Käfer


Die Käfer (Coleoptera) sind mit über 350.000 Arten in 179 Familien die weltweit größte Ordnung aus der Klasse der Insekten. In Mitteleuropa kommen etwa 8.000 Arten vor. In Deutschland sind, nach der Roten Liste von 1997, 6.537 Käferarten bekannt. Jedes Jahr werden weltweit hunderte neue Arten entdeckt.

Rüsselkäfer (Curculionidae): 51.000 Arten
Kurzflügelkäfer (Staphylinidae): 48.000 Arten
Laufkäfer (Carabidae) 40.000 Arten
Blattkäfer (Chrysomelidae): 40.000 Arten
Bockkäfer (Cerambycidae): 20.000 Arten
Prachtkäfer (Buprestidae): 14.000 Arten
Schwimmkäfer (Dytiscidae) mit gut 4000 Arten


In Brasilien lebt der 17 cm große Riesenbockkäfer (Titanus giganteus), er ist der größte bekannte Käfer. Die Gattung der Goliathkäfer (Goliathus) sind mit 100 Gramm die schwersten Insekten überhaupt. Der größte mitteleuropäische Käfer ist mit 75 mm der Hirschkäfer (Lucanus cervus).


Körperbau

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Die Käfer unterscheiden sich im Körperbau von anderen Insekten. Ihre Gliederung besteht nicht sichtbar aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen), sondern ist in zwei Abschnitte eingeteilt. Der Prothorax besteht aus Kopf und dem ersten Segement der Brust. Auf der Oberseite ist von ihm nur der Halsschild sichtbar. Die übrigen Abschnitte bilden eine Einheit und werden von dem ersten Flügelpaar, den Deckflügeln (Elytren) bedeckt. Sie sind stark verhärtet (chitinisiert) und schützen das zweite Flügelpaar. Wie alle Insekten haben auch die Käfer sechs Beine und zwei Fühler, welche sehr unterschiedlich geformt sind. Außerdem haben sie kauende Mundwerkzeuge.


Mundwerkzeuge

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Käfer haben beißend-kauende Mundwerkzeuge die aus paarigen Oberkiefern (Mandiblen) und paarigen Unterkiefern (Maxillen) und den Lippen bestehen. Damit können sie Pflanzenteile abschneiden und zerkleinern oder ihre Beute packen, fressen und zerkleinern. Bei einigen Arten, z. B. dem Hirschkäfern, sind die Oberkiefer stark vergrößert und dienen nur noch als Waffen. Auf den Ober- und Unterkiefern befinden sich Taster (Palpi) die für den Geschmackssinn zuständig sind.


Fühler

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Die Fühler sitzen am Kopf hinter den Augen. Sie bestehen aus fünf bis zwölf Gliedern und können sehr variabel geformt sein. Sie können fadenförmig, gekeult, gefächert, gekämmt oder gekniet, oder eine Mischung aus all diesen Formen sein. Mit ihnen können die Käfer riechen und tasten. Die Männchen haben normalerweise größere und längere Fühler als die Weibchen. Bei einigen Familien dienen sie auch zum Festhalten des Geschlechtspartners während der Paarung.


Augen

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Die Augen bestehen aus den Facettenaugen, die aus vielen Einzelaugen (Ommatidien) zusammengesetzt sind und den Komplexaugen (Appisitionsauge). Bei dämmerungs- und nachtaktiven Käfern gibt es zusätzlich oft noch sogenannte Superpositionsaugen, die nicht optisch von den Einzelaugen isoliert. Sie sondern Lichtstrahlen um auch bei wenig Licht die Lichtstärke um ein vielfaches zu erhöhen, jedoch auf Kosten der Sehschärfe. Bei einigen Käferfamilien wie den Speckkäfern (Dermestidae) fehlen die Facettenaugen, sie haben nur einfache Punktaugen. Bei den Taumelkäfern (Gyrinidae), die im Wasser leben, sind die Augen auseinander gedrückt. So ist immer eine Augenhälfte über dem Wasser und eine unter dem Wasser. Bei Käfern die in Höhlen leben sind die Augen meist vollkommen zurückgebildet.


Brust

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Bei den Käfern besteht die Brust (Thorax) aus drei Teilen (Prothorax, Mesothorax und Metathorax). Von oben kannn man nur den ersten Abschnitt erkennen der von dem Halsschild (Scutum) bedeckt wird. Die anderen Teile werden von den Deckflügeln (Elytren) verdeckt. Bei vielen kann man noch einen kleinen Teil des zweiten Teiles erkennen. Das nennt man Schildchen (Scutellum) und ist an der Basis zwischen den beiden Deckflügeln zu erkennen. An jedem der drei Brustsegmente befindet sich ein Beinpaar, an den beiden hinteren Segmenten sitzen die beiden Flügelpaare.


Beine

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Jedes der Beine ist wie bei den anderen Insekten in mehrere Abschnitte eingeteilt: Hüfte (Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur), Schiene (Tibia) und die zwei- bis fünfgliedrigen Füße (Tarsen). Länge und Form der Beine und Füße können sehr unterschiedlich sein. Sie sind je nach Verwendung spezialisiert und können als Laufbeine, Sprungbeine, Schwimmbeine oder Grabbeine ausgebildet sein.


Flügel

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Der Flügelbau unterscheidet Käfer von allen anderen Insekten. Bei ihnen ist das erste Flügelpaar, die Vorderflügel, stark verhärtet (chitinisiert) und bedecken die Hinterflügel und den Hinterleib. Zum Flug werden sie bei fast allen Käfern schräg nach vorne geklappt damit sich das hintere Flügelpaaar entfalten kann. Die Hinterflügel sind deutlich größer als die Deckflügel und werden bei Nichtgebrauch mit Hilfe der Hinterbeine unter die Deckflügel gefaltet. Die Deckflügel sind sehr unterschiedlich gebaut. Bei den meisten Käfern überdecken sie den ganzen Hinterleib, bei einigen nur einen Teil. Sie können auch ganz zusammengewachsen sein, die Hinteflügel sind dann meist verkümmert und die Käfer flugunfähig. Kurze Flüge werden meist zur Nahrungs- und Partnersuche unternommen. Es gibt auch Käfer die sehr große Strecken fliegen können, wobei sie meist den Wind zur Hilfe nehmen.


Hinterleib

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Der Hinterleib (Abdomen) besteht meist aus acht oder neun Segmenten. Diese sind mit Segmenthäuten miteinander verbunden und dadurch mehr oder weniger beweglich, im Vergleich mit anderen Insekten aber eher eingeschränkt beweglich. Kurzflügler können ihren Hinterleib besonders gut bewegen, Schwimmkäfer dagegen überhaupt nicht.


Ernährung

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Es gibt praktisch keine organische Nahrungsquelle, die nicht durch bestimmte Käferarten genutzt wird. Es gibt Käfer die sich ausschließlich von Pflanzen, Samen, Pollen, Holz oder verrottenden Pflanzenteilen ernähren, andere leben räuberisch und ernähren sich von Insekten, Kaulquappen, Würmern, Schnecken und sogar kleinen Fischen. Bei den räuberischen Familien wird meist ein Verdauungssaft in das Opfer injiziert um dann die verflüssigte Nahrung aufzunehmen. Es gibt auch Käfer die sich von Kot oder Aas, Pilzen, Leder, Federn, Haaren oder trockener Haut ernähren.


Fortpflanzung

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Käfer finden einen Partner entweder durch Pheromone, die meist über die Fühler wahrgenommen werden, oder sie überlassen das Auffinden eines Partners dem Zufall. Da Käfer auch aus nächster Nähe nicht sehr gut sehen können, kommt es bei Arten die nicht nach dem Geruch suchen oft zu Fehlpaarungen. Es gibt selten direkte Kämpfe der Männchen um ein Weibchen, meist wird um ein Balzplatz oder um ein besonders guter Eiablageplatz gekämpft. Hirschkäfer (Lucanus cervus) führen z. B. Rivalenkämpfe durch, bei denen der Gegener mit Hilfe der stark vergrößerten Oberkiefer, die ausschließlich dem Kampf dienen, vom Ast gestoßen. Der Sieger kann sich mit dem Weibchen paaren. Die Paarung (Kopula) selbst dauert je nach Art von wenigen Sekunden bis zu vielen Stunden. Dabei sind die Paartner entweder nur sehr locker miteinander verbunden oder krallen sich sehr fest aneinander. Meist wird nur eine Paarung durchgeführt. Es gibt aber auch Arten, z. B. viele Marienkäfer, die bis zu 20 weitere Paarungen mit anderen Partner durchführen. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Geschlechtskrankheiten die bis zu Unfruchtbarkeit führen können. Bei anderen Arten wird das Sperma vom Weibchen in einem Samenbehälter (Receptaculum seminis) aufbewahrt und die Eier erst bei der Ablage befruchtet.


Eiablage, Brufrürsorge, Puppe und Schlupf

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Die Eier werden meistens in Gruppen abgelegt. Sie sind in der Färbung und im Aussehen sehr variabel. Auch die Brutfürsorge ist sehr unterschiedlich. Bei den meisten Arten werden die Eier in Futternähe abgelegt und es findet keine spezielle Führsorge statt. Sollange das Weibchen und die künftigen Larven die gleiche Nahrungsquellen nutzen, braucht sie die Eier einfach nur abzulegen. Ansonsten macht sie sich auf die Suche nach geeigneten Futterpflanzen. Dafür stechen einige Arten die Eier in Pflanzenteile oder nagen Holz an, damit die Pflanze Gallen bilden von denen sich die Larven dann ernähren. Andere Käfer schneiden Blätter zurecht und falten sie so, dass sich die Larven darin gut geschützt entwickeln können. Wasserkäfer bauen für die Eier kleine Schiffchen die auf der Wasseroberfläche treiben. Zahlreiche (Nicrophorus spec.) Käfer bauen auch ein Nest, z. B. unter einem Kothaufen. Totengräber graben ganze Kadaver ein, das Weibchen erbricht Darmsekrete darüber, damit der Kadaver sich auflöst. Sie füttert die Larven auch nach dem Schlüpfen und verteidigt den Bau gegen Fressfeinde. Auch das Umhertragen der Eier ist eine Formm der Brutpflege. Dabei tragen die Weibchen die Eier in einer Gespinsttasche unter dem Hinterleib herum bis die Larven schlüpfen.

Die Verpuppung erfolgt meist im Lebensraum der Larve. Die Larven der Wasserkäfer verlassen aber das Wasser um sich an Land zu verpuppen. Die Puppe wird aus Sand, Erde, Holz oder Pflanzenteilen hergestellt. Bei der Umwandlung von der Larve zum Imago lösen sich fast alle Larventeile in der Puppe auf, nur aus wenigen Zellen wird dann der Käfer gebildet. Nach dem Schlüpfen sind die Käfer erst noch weich und haben eine helle Körperfarbe. Nach einiger Zeit härtet der Panzer dann aus und die Tiere bekommen ihre entgültige Farbe.


Larven

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Die meisten Käferarten verbringen den Hauptteil ihres Lebens im Larvenstadium. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung oft mehrere Jahre, die ausgewachsenen Käfer (Imagines) leben aber nur kurz und sterben schon bald nach der Paarung und Eiablage. Das Larvenstadium ist das einzige, in welchem der Käfer wächst, deswegen entscheiden die von den Larven vorgefundenen Bedingungen über die spätere Größe der adulten Käfer.

Das Aussehen der Larven ist den jeweiligen Bedinungen des Lebensraum angepasst. Die meisten sind hell und haben einen langgestreckten Körper. Entweder haben sie drei Beinpaare oder gar keine, wenig gegliederte Fühler und nur einfache Punktaugen (Ocelli). Bei einigen ist der Körper stark behaart, viele sind nackt.


Verbreitung und Lebensräume

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Käfer sind praktisch in allen Lebensräumen anzutreffen. Nur in der Antarktis und reinem Salzwasser fehlen sie. Manche Käfer leben in Nestern und Bauten anderer Tiere. Dabei haben sie sich oft an diesen Lebensraum speziell angepasst.


Tarnung und Verteidigung

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Die meisten Käfer sind durch ihre Färbung sehr gut getarnt und so in der Vegetation nur schwer aufzufinden. Andere haben grelle Warnfarben, die Fressfeinde vor ihrer Giftigkeit warnen sollen. Diese Warnfarben werden von eingigen Arten imitiert (Mimikry). Manche Käfer, besonders deren Larven, schützen sich durch Kot, Staub und Erde, welche sie um ihren Körper heften und in den sie sich komplett zurück ziehen können. Wieder andere stellen sich einfach tot (Thanatose), wobei gleichzeitig eine giftige und oft übel riechende Flüssigkeit ausgeschieden wird. Schnellkäfer (Elateridae) haben einen Mechanismus der wie eine Feder losschnellt und sie so ihren Angreifer erschrecken können. Auch das Zwicken, Beißen und spritzen von Verdauungssäften gehört zu den Verteidigungsmaßnahmen. Die Bombadierkäfer (Brachininae) haben diese Methode besonders gut entwickelt. Sie können mit gezielten Druck eine stark reizende und oft über 100° C heißes Gasgemisch mit einem Knall aus dem Hinterleib schießen.


Überwinterung

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Die meisten Käferarten überwintern als Puppe und schlüpfen im Frühling. Es gibt aber auch Arten, wie z. B. die Marienkäfer, die als Käfer überwintern. Wasserkäfer haben ein natürliches Frostschutzmittel in der Körperflüssigkeit wodurch sie bis zu neun Monate im eingefroren im Eis überleben können.


Besonderheiten

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Manche Käferarten können durch das Aneinanderreiben von Körperteilen Geräusche erzeugen. Damit sollen meist Fressfeinde abgeschreckt oder Partner gefunden werden. Leuchtkäfer (Lampyridae) können Licht erzeugen (Biolumineszenz) wobei jede Art ganz spezifische Lichtsignale abgibt.




Textquelle(n):
www.de.wikipedia.org/wiki/Käfer (abgerufen am 13.11.2012).