Körperbau der Heuschrecken


Zur Ordnung der Heuschrecken (Orthoptera) zählen die Langfühlerschrecken (Ensifera) und die Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Eine besondere Eigenschaft der Heuschrecken ist ihr Sprungvermögen, bei dem sie bis zu einem Meter weit springen können. Die meisten Heuschreckenarten bevorzugen als Lebensraum wärmere Gebiete, es kommen aber auch Arten in den kälteren Breiten vor.

Weltweit: über 26.000 Arten
Europa: ca. 600 Arten
Deutschland: 86 Arten

Mit bis zu 9 cm Körperlänge zählen die Weta (Anostostomatidae), von denen die meisten Arten in Australien und Neuseeland zu finden sind, zu den größten heute noch lebenden Heuschreckenarten. Vor etwa 150 Millionen Jahren (im Jura) lebten in Süddeutschland bis zu 15 cm lange Heuschrecken der Gattung Pycnophlebia.


Körperbau

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Die Rückenplatte der Vorderbrust (Pronotum) ist bei allen Heuschreckenarten an den Seiten herabgezogen.
Die Hinterbeine sind zu kräftigen Sprungbeinen umgewandelt. Die Sprungmuskulatur liegt in den verbreiterten Schenkeln (Femora), die Schienen (Tibien) sind meist stabförmig. Auf ihnen kann man Längssteifen erkennen, die mit kurzen Dornen besetzt sind. Es gibt aber auch einige Heuschrecken die nicht springen können.
Während die Vorderflügel meist sehr schmal sind, sind die Hinterflügel zu einem großen Fächer erweitert. In Ruhestellung liegt er zusammengefaltet auf dem Körper, im Flug können beide Flügelpaare unabhänig voneinander bewegt werden. Sie sind dann durch zahlreiche Längs- und Queradern gespannt. Trotzdem besitzen Heuschrecken nur eine geringe Manövrierfähigkeit, dafür sind sie aber schnell und ausdauernd.


Lauterzeugung bei Kurzfühlerschrecken

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Nur wenige Kurzfühlerschrecken können Laute (Stridulation) erzeugen. Die meisten Arten nutzen für die Partnerfindung optische Signale wie bunte Hinterleibe. In Mitteleuropa können besonders die Grashüpfer (Gomphocerinae) und die Ödlandschrecken (Oedipodinae) Laute erzeugen. Dafür werden meist die Hinterbeine an den Adern der Vorderflügel gerieben, wobei dann an einem der Körperteile feine Zähnchen sitzen und die Gegenseite mit eine scharfe Kante hat. Es können aber auch durch Flugschnarren, Trommeln mit den Beinen oder mit den Mundwerkzeugen Geräusche erzeugt werden.
Die Männchen nutzen die Lauterzeugung hautpsächlich für die Partnerfindung, wobei es oft mehrere Gesangstypen gibt, aber auch zur Äußerung der Anwesenheit gegenüber Rivalen. Bei einigen Arten kann das Weibchen antworten.


Lauterzeugung bei Langfühlerschrecken

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Eine verdickte Flügelader, die mit Querrippen versehen ist, dient bei den Langfühlerschrecken als Schrillader. Dabei werden die Vorderflügel gegeneinander geschoben und so das Geräusch erzeugt. Auch bei den Langfühlerschrecken dient der Gesang häuptsächlich der Partnerfindung, wird aber auch zur Revierabgrenzung genutzt.


Ernährung

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Die Beißwerkzeuge der Heuschrecken sind bei fast allen Arten asymetrisch und überlappen sich in Ruhelage. Die wenigsten Heuschreckenarten sind in ihrer Nahrung spezialisiert, der überwiegende Teil ernährt sich aber hauptsächlich von Gräsern, Moosen, Flechten oder anderen Pflanzen. Einige ernähren sich zusäztlich auch räuberisch.


Fortpflanzung

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Die Geschlechtsorgane der Männchen sind bei einigen Gruppen sehr komplex und unterschiedlich gebaut, bei anderen sind sie sehr ähnlich und kaum voneinander zu unterscheiden. Bei den Feldheuschrecken (Acrididae) z. B. wird das Spermienpaket intern mittels eines Begattungsapparates übertragen. Sobald sich die Partner trennen bricht das Paket auf und ein Teil bleibt im weiblichen Geniatltrackt stecken. So wird eine weitere Begattung bis zur Resorbierung durch andere Männchen verhindert.

Die Weibchen der Langfühlerschrecken haben einen langen Legebohrer, mit dem sie die befruchteten Eier in den Boden oder in Pflanzen stechen. Bei den Kurzfühlerschrecken ist dieser Legebohrer rudimentär zurückgebildet und dient meist als Grabwerkzeug bei der Eiablage in den Boden.
Die Eier werden von den meisten Heuschreckenweibchen einzeln oder in kleinen Gelegen abgelegt. Einige hüllen sie zum Schutz in einen festen Kokon (Oothek), in dem die Eier miteinander verklebt sind. Dieser wird oft zusätzlich mit Pflanzenteilen verbunden, wodurch sie auch gut getarnt sind.

Aus dem Ei schlüpft eine wurmförmige Prolarve, die sich sofort zum eigentlichen ersten Larvenstadium häutet. Die Anzahl der folgenden Häutungen ist von Art zu Art unterschiedlich und liegt zwischen vier und bis zu elf. Die Larven sehen den erwachsenen Tieren oft sehr ähnlich und können besonders bei kurzflügeligen Arten gelegentlich nur schwer von den erwachsenen Tieren unterschieden werden. Das kommt auch daher, dass die Körperanhänge wie Legebohrer bereits ab dem ersten Larvenstadium vorhanden sind.
Bei den meisten Heuschreckenarten kommt eine Generation pro Jahr vor. Einige Arten benötigen auch zwei oder mehr Jahre für die Entwicklung.


Heuschreckenplagen

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Immer wieder wird in den Medien von Heuschreckenplagen berichtet. Der bisher größte Schwarm mit über 300 Milliarden Tieren wurde im Jahre 1784 in Südafrika dokumentiert. Sie haben täglich etwa 600.000 Tonnen Pflanzen gefressen und wurden vom Wind auf das offene Meer geweht. Als die Flut die toten Tiere wieder an Land spülte, tümten sie sich auf einer Länge von 80 km über einen Meter hoch auf.
Auch in Europa, Asien und im Mittleren Westen kommt es immer wieder zu solchen Plagen, wobei die in den USA vorkommende Felsengebirgsschrecke (Melanoplus spretus) heute vermutlich ausgestorben ist.




Textquelle(n):
www.de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken (abgerufen am 04.02.2013)
www.de.wikipedia.org/wiki/Kurzfühlerschrecken (abgerufen am 04.02.2013)
www.de.wikipedia.org/wiki/Langfühlerschrecken (abgerufen am 04.02.2013)